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Location: Ismaning, München, Germany

Ich bin ein 43jähriger Saarländer - nun in München lebend, Arzt und Theologe, arbeite in einem Krankenhaus in Colombia, welches ich gerne übernehmen und weiter ausbauen möchte und verbringe einen Teil des Jahres dort; ich lebe gerade in Scheidung und habe endlich meine wahre, grosse Liebe gefunden , mit der ich nun zusammengezogen bin und wir uns auch eine gemeinsame berufliche Zukunft aufbauen; leider (noch) keine gemeinsamen Kinder ...

Thursday, November 09, 2006

Nun ein Post über Colombias Schattenseiten ....



Buenas tardes amigas y amigos ;-) Que tal? Como estas ?
Bueno - übrigens - ihr habt ja sicher schon gesehen , dass ich keine Akzente auf die spanischen Worte setze -aber ich weiß nicht,wie ich meine Tastatur umstelle.Es una pena, aber das nur am Rande ;-)
Ich wollte heute mal die dunkelen Seiten von Colombia aufzeigen; möchte schliesslich so objektiv wie nur möglich über dieses Land berichten.
Colombia ist reich...reich an Bodenschätzen und Exportgütern - vor allem reich an Flora und Fauna; Regenwald, Hochland, Anden,Amazonas, Karibikküste ...eigentlich ein Traumland...oder ?Ja...das ist es für manche ...doch für grosse Teile der Bevölkerung - den Armen,ist es ein Albtraumland.
Der Präsident der Republik Colombia,Alvaro Uribe ist meiner Meinung nach ein sehr kompetenter und großherziger Mann; er will den Frieden mit der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia)und den anderen Guerilla-Gruppen ...ABER ... so lange es dort diese immense Kluft zwischen wenigen Reichen und ganz vielen Armen gibt,so lange es die Narcotraficantes ( Drogenhandel durch das Cali und das Medellin - Kartell ), so lange Menschen auf der Strasse sterben und der Bürgerkrieg, welcher seit sich seit Mitte der 60er Jahre destruktiv durch das Land zieht, wird sich nichts ändern.Die Violencia, eine Gewaltwelle, in welcher 300.000 Menschen in Colombia zu Tode kamen wird den ein oder anderen aus dem Geschichtsunterricht noch bekannt vorkommen.Auch heutzutage ist ein Menschenleben dort nicht viel wert...Drogen sind allgegenwärtig und auf den Strassen der Millionenstädte habe ich Menschen gesehen, die nur noch schwer als solche zu erkennen waren...Leprakranke, Kriegsversehrte ohne Gliedmassen, mit völlig zerstörten Gesichtern; schwerstabhängige Männer und Frauen , welche Zombies gleichen und Kinder, die schnüffelnd mit der Nase über Klebstoff/ Verdünner hängen.Das ist alles schrecklich.... Jedes Geschäft,jede Wohnanlage, jeder Supermarkt ist kaserniert und wird von schwerstbewaffneten Soldaten, der Policia nacional oder privaten Sicherheitskräften bewacht ... und ich würde keinem raten herauszufinden , ob diese Beamten von ihren Waffen Gebrauch machen.Doch ist mir aufgefallen , dass ich mich völlig zwanglos mit der Policia oder den Securitas unterhalten konnte...sie waren bisher IMMER und AUSNSAHMSLOS sehr hilfsbereit und haben sich viel Zeit für mich genommen oder langsam und geduldig etwas erklärt ( mein Spanisch ist leider noch nicht perfekt ) oder mir bei jedem Problem versucht zu helfen.Ich liebe diese Mentalität der Colombianos/Colombianas.
Abgesehen von der Gewalt unter der kolumbianischen Bevölkerung laufen gerade Menschen , welche mittelständig bis wohlhabend wirken ( und dazu gehört in Colombia nicht viel ) oder aber europäisch aussehen ( und da habe ich ja mit meinen langen blonden Haaren und den blauen Augen genau das Ziel getroffen )Gefahr, von der FARC oder anderen Guerillagruppen entführt zu werden.Meist werden die Entführten gut behandelt - doch nicht selten werden sie monatelang oder gar jahrelang verschleppt - und viele tauchen nie mehr auf.
Ich möchte kein falsches Bild über Colombia verbreiten ... ich liebe dieses Land, seine Menschen und die Kultur,die Mentalität und die Lebensfreude; ich liebe die Freundlichkeit, die blitzendweißen Zähne ihres breiten Lächelns und die Fiestas.
Ich liebe es, wie mir die Bevölkerung begegnet und ihre Hilfsbereitschaft und ich bin oftmals beeindruckt, über den Bildungsstand und die Universitäten Colombias. Vieles liebe ich an diesem Land - aber dennoch darf ich die Augen nicht von den dunkelen Seiten verschliessen...
Das 1. Foto zeigt einen der vielen Einsätze und Verhaftungen der Policia ...Bilder wie diese sind allgegenwärtig.Auf dem 2. Bild ist die ständige Gegenwart des Militärs in den FARC-gefährdeten Zonen zu sehen.Und die Soldaten zögern keine Sekunde, ihre Waffen zu gebrauchen...
Ok, für den Augenblick ist es jetzt mal genug...werde gleich was kochen...Hunngggääärrr....*Lach*
Adios....hasta luego ...hasta manana ....ciao.....

1 Comments:

Blogger beccon said...

Schattenseiten/Sonnenseiten

Als jemand, der lange in Berlin gelebt hat, habe ich mir Südamerika (und vor allem Kolumbien) immer so wie die Berliner Polizei vorgestellt: Im vergitterten (gepanzerten) Wagen, mit Helm und Schlagstock und 'ner dicken Knarre - immer aggressiv, immer rechthaberisch.

Ganz sicher, die Gewalt ist da. Man kann sie nicht wegdiskutieren. Trotzdem ist die Stimmung nicht wirklich aggressiv oder gar bedrohlich.

Die Staatsmacht und die Verwaltung machen einen korrekten und freundlichen Eindruck, von dem sich Beamte bei uns (na vielleicht nicht in Bayern :-) ) eine Scheibe abschneiden können.

Die Kolumbianer sind jedenfalls nicht in heller Panik.

Auf der anderen Seite der Erde, in einem der sichersten Länder der Welt leben die Menschen in Angst und Schrecken und fühlen sich von Leuten bedroht, die im abendlichen Kasperletheater auftreten.


Über die Gewalt spricht man drüben wie wir über das schlechte Wetter reden: Man kann sie nicht ändern und hofft, sich dagegen zu schützen

Irgendwie beruhigend und erschreckend zugleich.

Für ein Bürgerkriegsland sind die militärischen Einrichtungen recht offen und wenig verbaut. Jedes amerikanische Konsulat in Deutschland hat mehr Wachschutz, Stacheldraht, Barrikaden.

Naja. Krieg gibt es eigentlich sowieso nicht. Es gibt "Falta del orden público" wegen der "Grupos armados a la margin de la ley" ("Fehlen öffentlicher Ordnung" wegen "bewaffneter Gruppen am Rande des Gesetzes") - eine meiner liebsten bürokratischen Floskeln. - man beachte die vorsichtige, fast diplomatische Ausdrucksweise des zweiten Satzes.


Die meisten Kolumbianer sind zu Recht traurig über den schlechten Ruf, den ihr Land im Ausland hat. Und in der Tat ist das ziemlich unfair, immer nur über die Schatten zu sprechen:

- Die Regierung hat die Kontrolle über weite Teile des Landes zurückerlangen können. Mittlerweile kann man mit relativ wenig Risiko über Land reisen. Zur Hauptreisezeit gibt es geschütze "Karavanen". (ich weiß nicht, ob ich es wagen würde - anderes Thema)
- Die Entführungen gehen massiv zurück.
- Die Paramilitares haben sich "demobilisiert" - die Führung sitzt im Gefängnis und plaudert über ihre Vergangenheit. (dabei kommen naturgemäß extrem unangenehme Dinge zur Sprache - ich wünschte wir würden in Deutschland einmal unsere Leichen aus dem Keller holen)
- Städte wie Bogotá haben es geschafft, durch bessere Kontrolle und soziale Maßnahmen die Gewalt zurückzudrängen. Die kolumbianische Hauptstadt (Motto_ Bogotá sin indiferencia- ~ohne Gleichgültigkeit) zählt mittlerweile zu den sichersten Städten Lateinamerikas. Kommunalpolitiker aus Rio und São Paulo reisen nach Kolumbien um zu lernen.
http://es.wikipedia.org/wiki/Luis_Eduardo_Garz%C3%B3n#Bogot.C3.A1_sin_indiferencia
(Link in spanisch)
- Andere Städte brauchen vielleicht noch ein wenig.
- Die Wirtschaft läuft gut. Obwohl die Schere zwischen Arm und Reich- wie überall in der Welt- weiter aufgeht, nimmt die extreme Armut ab. Angesichts der vielen Vertriebenen im Land ist das keine schlechte Leistung.
- Kolumbien ist stolz darauf, das Land zu sein, dessen Bewohner die glücklichsten Menschen der Welt sind. (ist doch irgenwie stark) Ich schätze den Optimismus und die Tatkraft der Kolumbianer, sich auch in mißlichen Situationen durchzubeißen.

Ein wenig Lektüre für die von uns, die Spanisch lesen können:

http://www.semana.com.co
Nachrichtenmagazin. Hervorragender Qualitätsjournalismus. Immer sachlich, nie gemein, gutes Multimediaangebot. Da könnte sich der Spiegel eine Scheibe abschneiden.

http://www.elespectador.com

Der Platzhirsch der kolumbianischen Presse. Seit über 100 Jahren.

Es gab eine Zeit, riskierten Journalisten ihr Leben um die Wahrheit mitzuteilen. Ich kenne ein Land, da braucht man nur mit der Streichung des Weihnachtsgeldes zu drohen und schon kommen nur noch konforme Kommentare...


http://www.colombiaespasion.com.co/ "Du bist Deutschland" auf kolumbianisch.
Vielleicht sollten wir die Leute einmal für eine neue Imagekampagne zu uns einladen.

Es gibt eine ganze Menge Videos auf Youtube, die Kolumbianer dort hereingestellt haben. Zum Vergleich bitte einmal nach "Du bist Deutschland" youtuben... (OK, so toll war die Kampagne nicht)

http://www.distriseguridad.gov.co/cosed.php
Centro De Observacion y Seguimiento del Delito - Kriminalstatistik, Ursachenforschung

http://www.policia.gov.co/
Die nationale Polizei. Mit interessanten Statistiken und Verhaltensmaßregeln. Man kann unschwer sehen, daß Entführungen nicht das Problem sind (und das ist kein Kompliment)

http://www.dane.gov.co
Das Amt für Nationale Statistik - immer interessant

http://www.procuraduria.gov.co/
(das mal schnell aussprechen :-)

Sonderstaatsanwaltschaft, die die Integrität des Staates sicherstellen soll. (auch über 100 Jahre alt)
Bevor wir mit den Fingern auf die ach so korrupten Latinos zeigen, erinnern wir uns, daß Staatsanwälte bei uns weisungsgebunden und Richter zu einem hohen %-Satz parteigebunden sind...

2:21 PM  

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